21

 

Flammen züngelten an mir empor, aber ich löschte sie sofort, da ich keine Aufmerksamkeit erregen wollte. »Gabriel, ich glaube, das ist keine besonders gute Idee...«

»Ich möchte dir etwas zeigen«, flüsterte er in mein Ohr, als wir vor dem Aufzug standen.

Sein Atem jagte mir einen Schauer des Verlangens über den Rücken. Ich ballte die Fäuste, damit mir die Krallen nicht aus den Fingerspitzen schossen, und kämpfte um meine Selbstbeherrschung.

Gabriel, Tipene und Maata redeten über Fiat, als wir zur Suite gingen. Ich stolperte hinter ihnen her. Mir war übel vor Angst, die Kontrolle über mich zu verlieren.

Als sich die Schlafzimmertür hinter uns schloss, erwartete ich fast, dass Gabriel sofort über mich herfallen würde, aber er ließ meine Hand los und trat zu einem Tresor, der in die Wand eingelassen war. Leise pfeifend drehte er den Knopf.

»Gabriel, ich glaube, wir müssen miteinander sprechen«, sagte ich, fest entschlossen, ihm zu gestehen, warum ich keine Liebe mit ihm machen wollte.

»Ja, gewiss. Aber meine Mutter hat mich daran erinnert, dass ich dir noch etwas schenken muss.«

»Was denn schenken?«, fragte ich neugierig. Ich spähte ihm über die Schulter. Im Safe lagen mehrere schwarze Lederschachteln. Eine davon zog er heraus.

»Ah, da ist sie ja. In der Familie meiner Mutter ist es Tradition, dass der Mann seiner Braut eine Halskette schenkt. Diese hier hat meiner Ururgrossmutter gehört. Sie wird dir gefallen. Sie ist aus Gold.«

Er öffnete die Schachtel, und sofort schlug mir der Geruch von Gold entgegen. Er war viel stärker als der Goldstaub, den Gabriel schon einmal verwendet hatte, und ich hatte das Gefühl, mir stünden die Haare zu Berge, als der sinnliche Geruch des Goldes mir in alle Poren drang. Ich riss mir die Kleider vom Leib, schlang meine Arme um Gabriel und rieb mich an ihm, als sei mein Körper eine einzige erogene Zone geworden.

»Gold«, sagte ich schnurrend vor Lust, als die dünnen viereckigen Plättchen, die an der feinen Kette aufgereiht waren, über meine nackte Haut glitten.

Gabriel lächelte wissend. »Ich dachte mir schon, dass es dir gefällt. Es prickelt so schön auf der Haut, oder?«

Ich leckte an ihm. »Ich möchte es auf dir verreiben.«

Schon im nächsten Augenblick war auch er nackt, und in seinen Augen loderte ein Feuer. »Ich möchte mich lieber an dir reiben. Oder nein, an beidem vielleicht, an dir und an dem Gold.«

»Mmm.« Ich zog das goldene Kettchen über sein Schlüsselbein und küsste die Spur des Goldes, das ebenso erregend war wie Gabriel. Ich wollte ihn, jetzt, sofort, und nichts und niemand würde mich aufhalten. Mit dem Gold und ihm als meinem Gefährten konnte das ja nur so enden.

Ich schrie vor Lust, als er in mich eindrang, und bog mich ihm entgegen. Unsere silbernen Schuppen rieben sich aneinander, und ich konnte an nichts anderes mehr denken als an die Vereinigung unserer Körper. Der letzte Rest meines Ichs wehrte sich jedoch gegen die völlige Hingabe, und einen winzigen Moment lang löste ich mich von Gabriel.

»Mayling, hör jetzt nicht auf«, murmelte er und saugte an meiner Brust. Ich ritt ihn, und meine Hüften bewegten sich im Einklang mit seinen. Die Luft schien zu tremolieren, so schön war unser Akt. Aber er war nicht wirklich schön, weil eigentlich nicht ich es war, die auf ihm saß. Mit einem Schmerzensschrei riss ich mich von ihm los und wich zurück, die Arme um mich geschlungen.

»May?« Gabriel blickte mich verwirrt an. »Was ist los?«

Ich sank auf die Knie, wiegte mich hin und her vor Schmerz und Verwirrung. Ich wusste nicht mehr, was ich wollte, wusste noch nicht einmal mehr, ob meine Gedanken meine eigenen waren.

»Bitte, mein kleiner Vogel. Sag mir, was ich getan habe.«

Gabriel legte mir die Hände auf die Knie, während ich hin und her schaukelte und mir verzweifelt wünschte, alles wäre anders.

»May. Bitte.«

Seine Stimme klang schmerzerfüllt. Er glaubte, er hätte etwas falsch gemacht, und das durfte ich nicht zulassen.

»Leg die Kette weg«, sagte ich, weil ihr Duft mich fast vor Lust um den Verstand brachte. Stumm legte er sie in die Schachtel zurück und verschloss sie wieder im Safe.

»Es ist das Stück Drachenherz«, sagte ich und blickte ihn an.

Mein Herz tat so weh, dass ich glaubte, es würde zerbrechen.

Gabriel runzelte die Stirn. »Machst du dir immer noch Sorgen deswegen? Ich habe dir doch gesagt, dass du lernen wirst, wie...«

»Ich will aber nicht«, heulte ich, ergriff seine Hände und zog ihn zu mir herunter. »Verstehst du denn nicht? Ich will kein Drache sein, Gabriel! Das wollte ich noch nie! Aber das Stück Drachenherz ist zu stark für mich. Es überwältigt mich, und jedes Mal, wenn wir uns lieben, gewinnt es ein bisschen mehr an Boden. Es wird nicht mehr lange dauern, und es hat mich vollständig im Griff.«

»Es überwältigt dich?« Er berührte eine meiner scharlachroten Krallen. »Du meinst, körperlich? Damit ist es vorbei, wenn das Stück Drachenherz in einem neuen Gefäß ist.«

»Nein, nicht nur körperlich. Es ergreift auch Besitz von meinen Gefühlen. Ist dir das noch nicht aufgefallen? Allmächtiger, ich schreie, und wie du ganz richtig bemerkt hast, schreie ich sonst nie! Cyrene schreit, aber ich doch nicht.«

Er blickte mich nachdenklich an. »Du warst ein wenig... leidenschaftlich in den letzten Tagen.«

»Leidenschaft habe ich dir gegenüber schon empfunden, bevor das Phylakterium explodiert ist. Aber das Drachenherz bewirkt mehr als nur Verlangen nach dir - es verändert meine Gefühle, es verändert mich, und, Gabriel, was ist denn, wenn ich nicht wieder ich selbst werde, selbst wenn das Stück Drachenherz in seinem neuen Gefäß ist? Oder wenn ich es nun nie mehr loswerde?«

Er wollte schon protestieren, besann sich dann aber eines Besseren. »Ich wünschte, ich könnte dir versichern, dass deine Ängste unbegründet sind, aber ich weiß die Antwort auf deine Fragen nicht.«

»Siehst du?«, schluchzte ich. »Ich kann nicht mit dir schlafen, Gabriel. Ich möchte zwar gerne, aber nicht um den Preis, auch noch den letzten Rest von mir zu verlieren. Ich will kein Drache sein. Ich bin vielleicht nicht perfekt, aber ich war glücklich mit mir. Es tut mir leid, es tut mir wirklich leid.«

Er lachte, und einen Moment lang hätte ich ihn am liebsten geschlagen. Aber dann dämmerte mir, dass er sich nicht über mein Elend lustig machte. »Mayling, mit dir Liebe zu machen, wird immer an erster Stelle für mich stehen, aber wie ich dir schon einmal versichert habe, bin ich kein Ungeheuer. Wenn du ein bisschen Raum brauchst, um für dich die Dinge zu klären, dann habe ich dafür größtes Verständnis.« Er blickte auf seine Erektion. »Es wird nicht leicht sein, aber wenn du eine Weile keusch leben willst, dann werde ich dich zu nichts drängen.«

»Ich habe das anders gemeint vorhin«, sagte ich und wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen. »Es tut mir nicht leid, dass ich keine Liebe mit dir machen kann. Es tut mir leid, dass ich nicht der Drache sein kann, den du gerne hättest.«

»Jetzt benimmst du dich wie ein richtiger Mensch. Du willst ja bloß Komplimente von mir hören«, sagte er grinsend. Als er jedoch merkte, dass ich darauf nicht reagierte, wurde ernst.

»Dann war es dein Ernst, oder?« Ich nickte stumm, den Blick auf den Teppich gesenk »May, sieh mich an.« Es dauerte ein bisschen, aber schließlich hob ich den Kopf.

»Der Beginn unseres Paarungstanzes eben war aufregend für mich«, sagte er, und mein Herz wurde schwer wie Blei. »Es war unmöglich für mich, nicht darauf zu reagieren. Ich bin ein Drache, und du bist meine Gefährtin. Du hast den Paarungstanz begonnen, und das hat mich gefreut. Aber die Lust die ich empfunden habe, ist nichts im Vergleich zu dem, was du mir bedeutest. Du bist meine Gefährtin, May, ganz gleich, in welcher Gestalt.«

Tränen traten mir in die Augen. Ich hasste das Stück Drachenherz dafür, dass ich so verletzlich war, so tiefe Dankbarkeit empfand. »Du möchtest gar nicht, dass ich ein Drache bin wie du?«

»Nicht, wenn du es nicht willst, nein«, sagte er. Er ergriff' meine Hände und küsste jeden Finger. »Du bist mit deiner Gestalt glücklich, und ich kann mich ebenfalls nicht darüber beklagen. Also, hör auf, dich schuldig und unglücklich zu fühlen und sag mir stattdessen, was deine Grenze ist.«

»Meine Grenze?«, fragte ich und drängte die Tränen zurück. Erneut erfüllte Hoffnung mein Herz. Vielleicht war ich wirklich nur allzu menschlich, weil ich dauernd Bestätigung suchte, dass er mich so liebte, wie ich war, aber wenn das so war, dann sollte es mir recht sein. »Was für eine Grenze meinst du?«

»Wie weit kannst du gehen, ohne dass das Stück Drachenherz dich beherrscht?«, fragte er und rieb mit den Daumen über meine Finger.

Ein kleines Feuer brach auf meinen Knien aus.

»Ah«, sagte er und blickte darauf.

Ich musste unwillkürlich lächeln. »Ich brauche dich eigentlich nur anzusehen, aber meistens habe ich es bis dahin unter Kontrolle. Nur wenn wir... äh... dann überwältigt es mich. Und Gold darf auch nicht im Spiel sein.«

»Kann ich dich küssen?«, fragte er und drückte einen sanften Kuss auf meine Lippen.

»Ja«, erwiderte ich.

»Kann ich dich hier berühren?« Er legte die Hand auf meinen Oberarm.

Ich nickte.

Seine Augen leuchteten auf. »Was ist hiermit?«

Seine Hand umschloss meine linke Brust. Ich zog die Luft ein und lehnte mich zurück. »Oh, ja.«

»Und das hier?«

Sein Mund schloss sich um meinen schmerzenden Nippel, und mir stockte der Atem. Meine Hände glitten in seine Haare als er eine Spur von Küssen zur anderen Brust zog.

»Das ist... das ist... das ist wirklich okay.« Ich schloss die Augen.

»Nur okay? Du beleidigst mein Ego. Was ist mit dem Rest deines Körpers? Hast du immer noch alles im Griff, wenn ich deinen Bauch erforsche?«

Flammen züngelten über meine Haut, als er mich von den Brüsten bis zum Bauchnabel küsste.

»Das Stück Drachenherz will, dass ich mich auf dich setze«, stöhnte ich, als er an meiner Hüfte knabberte.

»Darauf kann es lange warten. Du hast die Kontrolle, nicht das Drachenherz, May.«

»Ich weiß, aber es ist so stark, Gabriel. Mein Verlangen nach dir ist so stark. Es will dich.«

»Es spiegelt nur dein eigenes Begehren wider, was meinem männlichen Stolz ausgesprochen wohltut«, sagte er leise lachend.

Seine Hände glitten über meine Schenkel und zogen sie sanft auseinander. »Meinst du, es lässt zu, dass ich dich hier berühre?«, fragte er.

Sein Atem glitt heiß über mein empfindliches Fleisch.

»Was mich betrifft, kann mich das Stück Drachenherz mal«, sagte ich und bog mich ihm entgegen, als sich die Spannung in mir immer stärker aufbaute. Meine Finger krallten sich in den Teppich, als Gabriels Mund mich berührte und die Spitze seiner Zunge mich beinahe alle Kontrolle verlieren ließ.

»Zu viel?«, fragte er und blickte mich an.

»Fast«, erwiderte ich mit rauer Stimme.

»Soll ich aufhören?«

Ich schloss die Augen einen Moment lang und konzentrierte mich darauf, das Stück Drachenherz in Schach zu halten.

»Nein, ich glaube, es ist okay.«

»Mehr als okay, aber diese Unterhaltung führen wir ein anderes Mal. Zuerst müssen wir das hier erforschen.«

Hinter meinen Augenlidern explodierten Sterne, als er einen Finger in mich hineinschob, und mit seiner Zunge um meine Knospe kreiste. Der Orgasmus schlug wie eine Welle über mir zusammen, und ich krallte die roten Klauen tief in den Teppich.

»Du musst die Emotionen des Drachenherzens benutzen, aber lass dich nicht von ihnen überwältigen«, riet Gabriel mir.

Ich kämpfte dagegen an, und die Krallen zogen sich in meine Finger zurück.

»Kannst du noch mehr aushalten?«, fragte er, und ich sah ihm an, wie sehr er sich selbst zurückhielt.

»Lass es uns versuchen«, erwiderte ich. Ich schlang die Beine um ihn und krallte meine Finger in die Muskeln an seinem Hinterteil, um ihn dort hinzuschieben, wo ich ihn spüren wollte.

»Ich höre auf, wenn es zu viel für dich ist«, sagte er und drang stöhnend in mich ein. »Ich höre auf, und wenn es mich umbringt.«

Ich hielt ihn fest an mich gedrückt, während unsere Körper sich bewegten. Das Stück Drachenherz verlangte nach mehr, wollte, dass Gabriel sich schneller bewegte, mehr Bedürfnisse befriedigte. Erst als er schneller in mich hineinstieß, fiel mir die Kontrolle immer schwerer. Als der Orgasmus sich in mir aufbaute, spannte ich meine inneren Muskeln an und drängte Gabriel, zum Ende zu kommen, bevor ich rettungslos verloren war.

»Jetzt!«, sagte ich und spürte, wie das Stück Drachenherz mich überwältigte. »In Herrgotts Namen, Gabriel, komm!«

Er verwandelte sich, schrie meinen Namen, als seine Gestalt sich veränderte, und das Drachenherz begann ebenfalls, mich in diese Richtung zu zwingen.

»Nein!«, schluchzte ich und kämpfte dagegen an.

Sofort verwandelte Gabriel sich wieder zurück. Er drückte seine heißen Lippen auf meinen Mund und küsste mich leidenschaftlich.

»Keine Angst, mein Vögelchen. Du hast es geschafft, du hast starke Gefühle erlebt und dich nicht verwandelt.«

Ich schmiegte mich an ihn, als er sich auf den Rücken rollte.

Aber ich war verdammt nahe dran gewesen.

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